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Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen

Ein Artikel von Michael Bloech

Dieser Text zeigt auf, welche Rolle Medien in einem durchschnittlichen Alltag von Kindern und Jugendlichen spielen.

Das Grundschulalter (ca. 6-10 Jahre)

Für Grundschulkinder bildet das Fernsehen die zeitlich wichtigste Freizeitbeschäftigung. Auch die Verwendung von Handys oder Smartphones und das Surfen im Internet ist inzwischen für viele Kinder eine Selbstverständlichkeit. Das Spielen mit Konsole oder dem PC ist vor allem bei Jungen sehr beliebt. Für Mädchen ist unter anderem das Hören von Musik sehr wichtig. Auch Hörspiele sind in dieser Altersgruppe beliebt.

Bedürfnisse

In erster Linie geht es bei dem Medienhandeln von Kindern darum, sich über Bewegtbilder und Computerspiele zu amüsieren. Mit zunehmendem Alter wird dann der kommunikative Aspekt bedeutsamer, zum Beispiel beim Austausch über das Games Spielen. Zudem wird bei älteren Grundschulkindern durch Smartphones das produktive Medienhandeln interessant. Mit Selfies und kleinen selbstgefilmten Videos erwerben sie technisches und ästhetisches Knowhow. Dadurch lernen sie, sich selber zur Geltung zu bringen.

Entwicklungsaufgaben

Mittels Familie, Schule und Freunden werden Kinder mit wichtigen Normen und Werten vertraut, die es ihnen erleichtern, sich in ihrer Welt zu orientieren. Vor allem die Eltern sind hier das formende Element. Die über das Fernsehen vermittelten Werte und Normen besitzen ebenfalls gewisse orientierende Funktionen. All dies ist wichtig, um eine kohärente Identität auszubilden. Zudem wird durch das produktive Medienhandeln die Weichenstellung in Richtung Partizipation gesetzt.


Präadoleszenz und Pubertät (ca. 11- 16 Jahre)

Für ältere Kinder und junge Jugendliche erweitert sich das Spektrum der Medien, wobei vor allem das eigene Smartphone die entscheidende Rolle spielt. Das Surfen im Internet findet dann hauptsächlich mittels Smartphone statt. Internet-Videokanäle, Games und Social-Media Dienste werden zunehmend bedeutsam.

Bedürfnisse

Kennzeichen dieser Altersgruppe ist die Ausweitung der Mediennutzung, wobei es immer noch primär darum geht, sich zu amüsieren. Doch der eher passive, konsumtive Gebrauch von Medien weicht einem autonomeren, aktiveren, kommunikativeren Umgang. Dabei spielen vor allem die Social-Media Dienste eine zentrale, identitätsbildende Rolle, denn hier geht es darum, sich zu präsentieren und mit anderen auszutauschen.

Entwicklungsaufgaben

Durch die allmählich beginnende Loslösung von familiären Werte- und Normensystemen und die stärkere Bedeutsamkeit des Freundeskreises besitzen Medien in dieser Altersgruppe immer stärker wertorientierende Funktionen. Unterstützt wird dieser Entwicklungsprozess durch autonomes Surfen und Recherchieren im Internet und die Kommunikation mit Gleichaltrigen via Social-Media Diensten und Games. Zudem beeinflusst die Selbst-Präsentation in Social-Media Diensten die jeweilige Identitätsbildung. Das Feedback von anderen gewinnt zunehmend an Bedeutung.


Zwei Jugendliche sitzen auf einer Treppe und schauen auf ihre Smartphones

Postadoleszenz (ab ca. 17 Jahre)

Spitzenreiter in der Mediennutzung bei älteren Jugendlichen sind mit steigender Tendenz WhatsApp, Instagram und YouTube. Umfangreiches Surfen für schulische Recherche, kulturelle und politische Positionierung und das in Beziehung Setzen mit Gleichaltrigen stehen jetzt im Zentrum ihres Medienhandelns.

Bedürfnisse

In dieser Altersgruppe wird die Mediennutzung selektiver, aktiver und kritisch reflexiver. Neben dem Unterhaltungsaspekt rückt die kommunikative Komponente ins Zentrum. Im Bereich der Meinungsbildung speist sich diese nicht mehr primär emotional, sondern zunehmend kritisch rational. Als zentrales Informationsmedium wird das Internet immer bedeutsamer.

Entwicklungsaufgaben

Für ältere Jugendliche gewinnt die Peergroup immer mehr an Bedeutung. Zudem vollzieht sich die Loslösung vom Wertesystem der Familien durch die Pubertät stetig weiter. Die Kommunikation mit und über Medien durchlebt eine Phase kritischer Reflexion. Bedingt durch schulische Anforderungen wird der Wissenserwerb mittels Medien zur absoluten Notwendigkeit. Eine Teilhabe an Gesellschaft ist ohne Medien für Jugendliche undenkbar.


Resümee

Eine gelingende Identitätsbildung und Teilhabe an Gesellschaft ist ohne Mediennutzung für Kinder und Jugendliche kaum mehr möglich. Daher ist eine konsequente medienpädagogische Begleitung zur Förderung der individuellen Medienkompetenz in allen Entwicklungsphasen dringend notwendig.

Entwicklung der Mediennutzung nach Alter | Tabelle

Tabelle zur Entwicklung der Mediennutzung nach Alter

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