Individualisierung

Individualisierung wird von einigen Soziologen als Prozess beschrieben, der vor allem durch die fortschreitende Industrialisierung und den Wettbewerb, die höhere Mobilität, die verbesserten Bildungs- und Berufschancen und das Aufbrechen großfamiliär geprägter Strukturen das entscheidende Kennzeichen moderner Gesellschaften ist. Nach dieser Auffassung hat zudem eine Ausweitung kultureller Strukturen stattgefunden, die Menschen unterschiedliche Orientierungs- und Entfaltungsmöglichkeiten anbieten. Damit versucht die Individualisierungstheorie ältere Klassen- und Schichtmodelle soziologischer Theorien abzulösen. Nach der Individualisierungsthese besitzen Menschen heute wesentlich bessere Entfaltungs-, Aufstiegs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten als früher. Dennoch wird gegenüber dieses Ansatzes kritisch angemerkt, dass vielfach noch immer soziale Ungleichheit (z.B. Bildung) und Benachteiligungen (z.B. Einkommen) in unserer Gesellschaft existieren. Das Modell der Individualisierung sei lediglich ein Ansatz zur Analyse von Entwicklungen in städtisch geprägten Mittelschichtmilieus.

Bezogen auf konkretes sozialpädagogisches Handeln bedeutet die Individualisierungsthese jedoch, Menschen in all ihren Dimensionen wahrzunehmen und nicht auf ein einziges Merkmal (Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung usw.) zu reduzieren. Jeder Mensch soll in seiner einzigartigen Vielfältigkeit, in seiner Individualität, als wertvolles Mitglied einer Gesellschaft anerkannt und zudem gefördert werden.

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