Doing Gender

Der Doing Gender Ansatz wurde in den 1980er Jahren von Candace West und Don Zimmerman entwickelt. Eine Grundlage dieser Entwicklung ist die „Agnes“-Studie von Harold Garfinkel (1984), in der beschrieben wird, wie die Transfrau* Agnes sich bewusst ‚weibliche‘ Handlungsmuster aneignet, um als Frau* gelesen zu werden – daran anknüpfend zeigt der Doing Gender Ansatz, wie Geschlecht andauernd (bewusst und unbewusst) im Alltag auf der Handlungsebene hergestellt wird.

Das Konzept des „Doing Gender“ beschreibt also, wie Geschlecht in Interaktionen beobachtet, hergestellt und relevant gemacht wird. Der Fokus liegt hier darauf, wie wir uns selbst als Frau* oder Mann* (im gesellschaftlich verstanden binären Sinne) vor anderen präsentieren und andere als solche lesen.

Spannend an diesem Ansatz ist, dass biologische Faktoren wie beispielsweise die Genitalien zunächst einmal gar keine Rolle spielen. Das Geschlecht der anderen Person wird nämlich in Interaktionen permanent gelesen, ohne dass die primären Geschlechtsmerkmale sichtbar werden müssen. Das Geschlecht wird vielmehr an der Art zu sprechen, an der Kleidung, an der Körperhaltung und vielen weiteren kulturellen Markern abgelesen.

Die Darstellung von Geschlecht muss nicht im Vordergrund jeder Interaktion stehen, sie muss jedoch permanent mitlaufen – ist das Geschlecht der anderen Person nicht unmittelbar erkennbar, führt das zu Disruptionen (Alltagsbeispiel: Wenn eine Person in die U-Bahn einsteigt und nicht gleich erkennbar ist, ob es sich um einen Mann* oder eine Frau* handelt, schauen wir unbeabsichtigt oft zweimal hin, um die Ungewissheit aufzulösen).

Der Doing Gender Ansatz wurde in den Jahren seit seiner ersten Einführung permanent erweitert (Bsp. ‚Undoing Gender‘) und auf andere Bereiche angewandt (Bsp. ‚Doing Difference‘, ‚Doing Family‘).

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