Cancel Culture

Stadtteile, U-Bahn Haltestellen und Apotheken sollen umbenannt, unbequem empfundene Kabarettist*innen ausgeladen und bestimmte Filme und Bücher aus Kinos und Bibliotheken verbannt werden. Nahezu täglich tauchen dazu Berichte in den Medien unter dem Stichwort „Cancel Culture“ auf. Doch der Begriff „Cancel Culture“ lässt sich nicht eindeutig fassen, da er vielfach unterschiedlich definiert und benutzt wird. Meist wird darunter aber die Ächtung, das Verbot und der Boykott von Künstler*innen und ihren Werken verstanden, denen im weitesten Sinn politische Unkorrektheiten oder anderes vorgeworfen werden. Selbst die deutsche Sprache gerät immer wieder in den Fokus von Cancel Culture, denn es gibt zunehmend Bestrebungen bestimmte Begriffe verbindlich durch andere zu ersetzen. Ein historisches Beispiel für Cancel Culture war die „Aktion saubere Leinwand“, bei der sich in der 50er Jahren selbsternannte „Sittenwächter“ bemühten, bestimmte Filme, in denen nackte Haut gezeigt wurde, aus den Kinos zu verbannen. 

Kritik an Cancel Culture gibt es daher von unterschiedlichen Seiten. So lautet beispielsweise einer der Vorwürfe, die verfassungsrechtlich gesicherte Meinungsfreiheit würde durch Cancel Culture untergraben. Allerdings wird bei dieser Argumentation vergessen, dass dem Bereich des zu tolerierenden „Sagbaren“ schon allein durch das Grundgesetz rechtliche Grenzen gesetzt sind. Ein anderes Argument lautet, dass durch Cancel Culture die Kultur als Ganzes bedroht wäre und der Meinungspluralismus in einen Gesinnungsfaschismus münden könne. Gerade Kultur würde von Provokationen und Tabubrüchen leben. Zudem sollte Sprache als ein lebendiges System verstanden werden, dass sich nicht in starre Vorgaben zwängen ließe. Nach dieser Argumentation ist gerade der besondere Wert von modernen Demokratien das Eintreten für kulturelle Vielfalt, Meinungsfreiheit, Toleranz und für den freien Diskurs.

« Zurück zum Glossar
Kategorie: