Aktive Medienarbeit, Inklusion, Kurs #teilhabe, Methoden, Modul 2, Modul 5, Teilhabe

Aktive Medienarbeit und diagnostisches Handeln | Dr. Jan-René Schluchter und Joachim Betz

Inhalte und Veranstalter des Workshops

Was meint genau pädagogische Diagnostik? Und wie kann sie in Beziehung zu aktiver Medienarbeit gesetzt werden, um sie für pädagogische Settings fruchtbar zu machen? Mit diesen und weiteren Fragen befassten sich Dr. Jan-René Schluchter von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Joachim Betz vom Medienberatungszentrum Stuttgart in ihrem Workshop, um aufzuzeigen, welche Potenziale aktive Medienarbeit als Instrument pädagogischer Diagnostik bereithält.

Dr. Jan-René Schluchter (Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg) & Sophia Mellitzer (JFF) beim JAT Workshop 2020

Zentralen Inhalte des Workshops

Ganz allgemein fassen Schluchter und Betz den Begriff der Diagnostik als situatives Beobachten. Pädagogische Diagnostik lässt sich dabei insbesondere auch durch Abgrenzung zu anderen Diagnostikformen umschreiben. So besteht eine klare Unterscheidung etwa zur medizinischen Diagnostik, bei der die Vorgehensweise in aller Regel defizitorientiert erfolgt. Von einer Alltagsdiagnostik grenzt sich die pädagogische Diagnostik wiederum insofern ab, als dass sie sich konkret auf Erziehungs- und Bildungskontexte bezieht. Die beiden Workshopleiter benennen vier relevante Felder mit Blick auf pädagogisches Diagnostizieren: das Metawissen, die Aushandlung, die konkrete Situation und die Ziele. Das bedeutet unter anderem, dass diagnostisches Handeln immer theoriegeleitet sein muss und niemals von Methoden geleitet werden darf (Metawissen), dass keine Erstellung von Plänen, sondern stets der Prozess des Planens im Vordergrund stehen sollte (Aushandlung) und dass es letztlich immer darum geht, das Verhalten einer anderen Person wahrzunehmen und zu versuchen, zu verstehen (Ziele).

Ein Blick auf aktive Medienarbeit wirft nun die Frage auf, inwiefern soziales Lernen über aktive Medienarbeit festgestellt werden kann und wie durch aktive Medienarbeit neue Beobachtungsräume generiert werden können. Beispielhaft wurde an dieser Stelle ein pädagogisches Szenario einer teilnehmenden Fachkraft ausgeführt, die im Rahmen von Skateboardkursen eine Medien AG zum Thema Skaten ins Leben gerufen hat. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass nicht alle Jugendlichen aus ihrer Gruppe sich an den Skateboardkursen beteiligen (können), weswegen sie motiviert waren, ein neues Format zu generieren, um alle einzubeziehen. Offen gehalten bot sie ihrer Zielgruppe an, etwas mit Medien zu gestalten, woraufhin vonseiten der Jugendlichen sofort die Idee entwickelt wurde, ein eigenes Skateboardspiel als App zu erstellen. Voraussetzung für diese Entwicklung war dementsprechend eine pädagogische Diagnose unter der Fragestellung: „Warum beteiligen sich nicht alle?“ Darüber hinaus wurden weitere Ansätze des Einbezuges aktiver Medienarbeit in das Feld diagnostischen Handelns diskutiert. So wurden beispielsweise visuelle Impulse angesprochen, die Gesprächsanlässe bieten können, verschiedene Themen aufzugreifen und Erkenntnisse über die Haltungen, Einstellungen und Gedanken der eigenen Zielgruppe zu erhalten. So könnten etwa Fotos beziehungsweise Selbstporträts aufgenommen werden, um auf diese Weise ein Gespräch über einzelne zu initiieren.

Wichtigsten Aussagen und Fragestellungen der Teilnehmer*innen

Prinzipiell waren die Teilnehmenden sich einig, dass es in der pädagogischen Praxis notwendig ist, offen und flexibel zu bleiben, um alle Beteiligten einzubeziehen sowie verschiedene und vor allem auch neue Wege zu gehen. Festgehalten wurde aber auch, dass es insbesondere für umfangreichere Vorhaben häufig an Zeit, Geld und Personal fehle.


Weiterführende Informationen: Materialien, Links & Methoden

Ein Workshop von Dr. Jan-René Schluchter & Joachim Betz | JAT 2020